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sich unsere ganze Zeit selber so gerne zurückführt, aus Renaissance,

Humanismus und Aufklärung. Durch die Abkehr von mittelalter-

licher Zweckwissenschaft und Mystik, durch die Rückkehr zur An-

sicht Demokrits, daß die Lagerung der Massenteilchen und ihre

Umstellung die Grundtatsache der Welt sei, wurde damals das Ver-

fahren streng quantitativer Darstellung der Erscheinungen von

G a l i l e i u n d N e w t o n , der Induktion von B a c o n , der Be-

handlung der Organismen als Maschinen von D e s c a r t e s , der

Seele als Assoziationsmechanismus von L o c k e u n d H u m e aus-

gebildet und schließlich ganz allgemein die Darstellung der gesamten

Erfahrung nach äußerer Abfolge und Gleichzeitigkeit so geübt, wie

es die mechanische Ursächlichkeit verlangt. Infolge so schwerwiegen-

der Gründe unserer Gegner und bei der löblichen Anhänglichkeit

der menschlichen Natur an das Hergebrachte wird man unserem

Unternehmen leicht mit Mißtrauen, ja mit Hohn begegnen.

Indessen, bei all den großen Erfolgen der ursächlich-quantitativen

Naturerklärung bleibt es doch wahr, daß sie die Welt von Göttern

entleerte und einen toten Mechanismus da zurückließ, wo früher

blühendes Leben war! Und blicken wir noch dazu auf ihre Miß-

erfolge in den Geisteswissenschaften, insbesondere aber auf ihre

verheerenden Wirkungen in allen Ge- / Seilschaftswissenschaften, so

antworten wir auf jenen Hohn mit dem alten Sprichworte:

„Wo alle hinken, lacht man über gesunde Füße.“

Worin dieses Hinken in den heutigen Geisteswissenschaften,

obenan in den gesellschaftlichen Wissenschaften, bestehe? Darin:

daß es k e i n e e i n z i g e E i n s i c h t e i n e r G e i s t e s -

w i s s e n s c h a f t g i b t , d i e u r s ä c h l i c h e r A r t w ä r e ;

daß es daher in Wahrheit auch keine einzige Geisteswissenschaft als

ursächliche Wissenschaft im naturwissenschaftlichen Sinne gibt!

Um diese unsere Behauptung auf dem einfachsten Wege zu be-

weisen, sei es erlaubt, zunächst von den Forscherschicksalen des Ver-

fassers in persönlicherer Weise zu berichten, als es sonst am Platze

wäre. Diese Schicksale tragen aber so sehr die Züge der Gattung an

sich, daß sie über das Persönliche hinausgehen.

Als der Verfasser dieses Buches in jungen Jahren den Auftrag

erhielt, statistische Untersuchungen über die Lage der unehelichen

Kinder anzustellen, fiel ihm auf, daß man die Unehelichkeit als