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nicht aus; aber kaum auf einem anderen Kulturgebiet hat sie eine
so grundlegende Bedeutung wie in der Kunst.
c .
F e u i l l e t o n i s m u s
Als eine mit dem Aufschwunge des Zeitungswesens immer be-
deutsamer werdende Sonderform des Schriftstellers ist der F e u i l -
l e t o n i s t , den man als einen geistreichen oder, noch besser,
ü b e r g e i s t r e i c h e n
P l a u d e r s c h r i f t s t e l l e r
be-
stimmen kann.
Auch diese Gestalt gilt in ihrer Weise für alle Künste.
Alles, was oben über den Schriftsteller gesagt wurde, gilt ent-
sprechend auch für den Plauderschriftsteller. Ihm kommt es wegen
der vorgeschriebenen Kürze der Arbeit vor allem auf die sogenannte
Pointe an, den witzigen Punkt, die Spitze des Geplauders.
Der Plauderschriftsteller ist auch im günstigen Falle bei sprühen-
der Form der Mann von an- und nachempfundener Eingebung.
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2. Hausbackenheit und Seichtheit
Die anempfundene Eingebung muß nicht seicht sein, weil sie sich
ja aus einer echten Eingebung, die tief sein kann, herleitet.
Anders wenn eine echte Eingebung nicht in die Tiefe dringt. Je
weniger die Eingebung aus der Tiefe schöpft, umso oberflächlicher,
unbedeutender, daher leerer, ärmlicher muß das Schöne werden,
dem sie zugrunde liegt.
Dies ist der Fall der sogenannten kleinen und kleinsten Dichter,
Tonsetzer, Maler, Bildhauer, Baumeister, Schauspieler und aller
anderen Künstler, welche eben dadurch zu den kleinen gehören, daß
ihre Eingebungen zu wenig in die Tiefe dringen, das heißt, daß
ihre ganze Persönlichkeit überhaupt zu schwach ist. Die hohe Schön-
heit, die große Kunst erfordert bedeutende Eingebungen und das
sind solche, die in sonst verborgene Schichten dringen.
Aber auch der größere, ja der große Künstler kann einmal, z. B.
bei erzwungenen Gelegenheitsarbeiten, die ihm nicht liegen oder
die ihm andere, seinem Herzen näher liegende Arbeiten stören,
„versagen“ und mehr am Äußeren hängen bleiben. — Andere solche
Fälle sind denkbar, wenn die anfangs gefaßte, tiefe Eingebung