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und „Gesellschaft“ einander als selbständige Gebilde im Gemein-
schaftsleben gegenübergestellt! — Des weiteren ist noch auf Schrift-
steller wie F r i e d r i c h J u l i u s S t a h l u n d H e i n r i c h
A h r e n s zu verweisen, welche diesen Begriff gleichfalls bearbeitet
haben; vor allem ist auch der Sozialisten C l a u d e H e n r y d e
S a i n t - S i m o n , C h a r l e s F o u r i e r , R o b e r t O w e n ,
P i e r r e P r o u d h o n , K a r l M a r x usw. nicht zu vergessen,
deren Bestimmungen des Gesellschaftsbegriffes allerdings eine ganz
falsche Richtung einschlugen, indem sie in unklarer Weise zur Ver-
neinung des Staatsbegriffes überhaupt neigten. Welche Bedeutung
aber diese Begriffsbildung bei ihnen hatte, beweist das Beispiel des
h i s t o r i s c h e n M a t e r i a l i s m u s , dem die Wirtschaft aus-
drücklich nur ein gesellschaftlicher T e i l i n h a l t ist, und zwar
ein solcher von absolut grundlegender Bedeutung.
Andererseits ist hervorzuheben, daß Mohl sich, ähnlich wie Karl
Dietzel, von der dialektischen Methode formalerweise völlig frei
gemacht hat, aber da die Ergebnisse, die er aufnahm, eben doch das
Erzeugnis dieser Methode sind, gilt auch für seine Argumentation
unsere obige Kritik
1
. Auch er unterscheidet: die einzelne Persön-
lichkeit in ihrem Verhältnis zur Umwelt (dieses ist ihm allerdings
nicht b l o ß Güterwesen, sondern er faßt es als Persönlichkeits-
z u s t a n d auf, wodurch sehr heterogene Dinge ineinander ge-
mengt werden), die Zusammenfassung der Persönlichkeiten zum
Staate und die natürlichen Gemeinschaften oder Genossenschaften
der Persönlichkeiten, die Gesellschaft. Um die prinzipielle Über-
einstimmung mit Steins Lehre noch deutlicher zu machen, sei schließ-
lich noch Mohls Begriffsbestimmung der Gesellschaft mitgeteilt. Sie
ist folgende: „ G e s e l l s c h a f t l i c h e Lebenskreise sind . . . die
einzelnen, je aus einem bestimmten Interesse sich entwickelnden
natürlichen Genossenschaften, gleichgültig ob formal geordnet oder
nicht; g e s e l l s c h a f t l i c h e Zustände sind die Folgen, welche
ein solches mächtiges Interesse zunächst für die Teilnehmer, dann
aber auch für die Nicht-Genossen hat; die G e s e l l s c h a f t end-
lich ist der Inbegriff aller in einem bestimmten Umkreise, z. B.
1
Vgl. Robert von Mohl: Die Geschichte und Literatur der Staatswissen-
schaften, Bd 1, Erlangen 1855, besonders seine Begriffsentwicklung auf S.
88
ff.